Foto des Außenstellenleiters Achim Schäfer im Heimatmuseum Weingarten

Achim Schäfer bewacht als Nachtwächter das Schulgebäude und schließt es nach Verlassen wieder ab. Seit 2005 hat er die Außenstellen-Leitung der Volkshochschule (vhs) in Weingarten inne. Seit 2008 wird er von seiner Ehefrau unterstützt. 1990 ist er nach Weingarten gezogen. Hier schätzt er das Weingartener Moor als Naturdenkmal, den Weinbau und die Historische Ortsmitte mit fast 60 Gewölbekellern. Auch das ist Teil des Programms der vhs.

NUSSBAUM.de: Sie leiten im 21. Jahr die Volkshochschule Weingarten. Warum lieben Sie Ihre Arbeit so?
Achim Schäfer: Es ist die Vielfalt beim am Gemeinwohl orientierten Wirken hier in Weingarten. In unserer vhs-Außenstelle haben wir gute Dozenten und viele interessierte Teilnehmende. Das sind gute Rahmenbedingungen. Als zugereister Weingartener ist bei mir nach 36 Jahren eine gewisse Heimatverbun- denheit für Weingarten da, auch wenn ich aus Laufach im Spessart (Landkreis Aschaffenburg) zugereist bin. Ich war seit 1988 Dozent im EDV-Bereich im Landkreis Aschaffenburg an der vhs vom Kreis Aschaffenburg. Von 1993 bis 2006 unterrichtete ich als EDV-Dozent an der vhs Karlsruhe Land in Weingarten, Pfinztal, Rheinstetten und Oberderdingen.

Wie kamen Sie dann hierher nach Weingarten?
Schäfer: 2005 war die ehrenamtliche Stelle des vhs-Außenstellenleiters in Weingarten vakant. 2005 hat mich eine Mitarbeiterin des Rathauses angespro- chen, ob ich nicht die Stelle übernehmen wolle. Als gelernter Organisationsprogrammierer hat mir das Organisieren schon immer viel Spaß bereitet. Und als VHS-Dozent lernte ich auch, das Kursangebot nach den Anforderungen der Anwender zu gestalten. So konnte ich das komplette Kurs-Repertoire in Weingarten an den Bedarf der Kursteilnehmerschaft anpassen.

Was gibt es ansonsten Neues an der vhs?
Schäfer: Wir sind heuer eine Kooperation mit den Mitgliedern von Gutes Gemüse e. V. eingegangen. Unter dem Titel „Vom Acker auf den Teller – Regenerative Landwirtschaft als Grundlage einer gesunden Ernährung“ verbindet die Kursreihe Kochpraxis mit Wissen über saisonale und regionale Ernährung. Ein Gärtner vor Ort gibt Einblicke in natürliche Anbaumethoden, Bodenaufbau, Fruchtfolge und die Bedeutung lebendiger Erde.

Was läuft in Weingarten immer gut?
Schäfer: Es gibt Dauerläufer wie Vorträge über Erbrecht, Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Hier in Wein- garten haben wir einen guten Familien- anwalt, der an die Sache herangeht, Dr. Björn-Peter Säuberlich. Diese Vorträge finden im März und April wieder statt. Was sehr gut läuft und Dauerbrenner sind, sind die Sport- und Sprachkurse so- wie die vielfältigen Kochkursangebote.

Was kommt besonders gut an?
Schäfer: Viel Zuspruch findet in unserem Weindorf die Veranstaltungsreihe: „Entdecke Dein Weingarten“ u. a. mit Wanderungen durch das Weingartener Moor mit Michael Schmitt oder der Lehrgang „Mit dem Winzer durch das Jahr“ mit Bernd Kärcher. Das „Naturschutzgebiet Weingartener Moor“ und der Weinbau sind Alleinstellungsmerkmale hier in Weingarten.

Wie viele Veranstaltungen und Kurse gibt es insgesamt? Schäfer: Im Kalenderjahr sind es zwischen 100 und 120. Seit Corona versu- chen wir, das Niveau der Vor-Coronazeit wiederherzustellen. Das ist uns meiner Meinung nach auch gelungen.

Welche größeren Veranstaltungen gibt es, bei denen Sie sicherlich auch ein größeres Publikum erwarten?
Schäfer: Es ist die Vielfalt. Es gab/gibt immer wieder Kooperationsveranstaltungen mit verschiedenen Vereinen und Organisationen in Weingarten. Diese Veranstaltungen finden stets einen guten Zuspruch. Das Netzwerk der Weingartener Vereine bietet die Möglichkeiten für Kooperationen, zum Beispiel in 2026 die Veranstaltungen mit „Gutes Gemüse“. Wir hatten mal größere Veranstaltungen wie „Weingarten im Wandel der Zeit“ mit 80 gleichen Ortsmotiven, fotografiert in 1910, 1960 und 2010. Das waren im Jahr 2010 fünf gleiche Veranstaltungen mit 620 Teilnehmern.

Wie viele Kurse gibt es zu jedem Themenbereich?
Schäfer: Beispiel: Bei Pilates sind es drei, bei Yoga aktuell acht pro Woche. Das hängt mit der Nachfrage zusammen und was wir anbieten können. Wenn jemand auf mich zukommt und nach einem bestimmten Sprachkurs fragt, dann frage ich zurück, an welchem Wochentag das sein kann, eruiere im Dozenten-Stamm unserer vhs, ob es eine/n Dozent/in gibt, der/die das entsprechende Sprachniveau vermitteln kann und zum Schluss muss noch die Raumsuche zu einem guten Ergebnis führen.

Gibt es ganz außergewöhnliche Veranstaltungen?
Schäfer: Vom Alleinstellungsmerkmal her sind das die Wanderungen durchs Moor oder der Lehrgang: „Mit dem Winzer durch das Jahr“. Und auch die Gewölbekeller-Führungen. Jene können auch mit einer Weinprobe enden. Seit 2012 bieten wir die Veranstaltungsreihe: „Entdecke Dein Weingarten“ an. Weingarten bietet eine Vielzahl von Besichtigungsmöglichkeiten. Unsere Ortsführungen sind u. a. auch für geschlossene Gruppen möglich. Für Geburtstage, Betriebsausflüge nach Weingarten, Jahrgangstreffen und weitere Gruppen haben wir schon viele Führungen im historischen Ortskern Weingartens durchgeführt. Manche endeten mit einem Sektempfang am Wartturm.

Nehmen an den Kursen und Veranstaltungen mehr Ältere oder mehr Jüngere teil?
Schäfer: Es ist ausgewogen, altersmäßig betrachtet. „Englisch für Senioren“ bieten wir am Vormittag an oder „Senior mobil.“ Für alle Sportbegeisterten bieten wir von Atmen und Bewegen bis Zirkeltraining viele Kursmöglichkeiten an, wo eine gemischte Altersstruktur in den Kursen zu finden ist. Kinderkurse gibt es auf Nachfrage.

Gibt es mehr oder eher weniger Angebote?
Schäfer: Es ist konstant geblieben. Vor Corona (2014 bis 2016) waren es mehr Teilnehmer wegen Kinderkursen, in denen den Kindern unter anderem Nach- hilfe beigebracht wurde. Es gab zum Beispiel Kinder-Malkurse mit Elli Hartwig und Flöten-Kurse.

Wie viele Menschen wirken daran mit, bis solch eine Veranstaltung oder ein Kurs stehen?
Schäfer: Für die meisten Kurse/Veranstaltungen mache ich das in Eigenregie mit der Dozenten- und Raumsuche. Meine Frau unterstützt mich dabei. Bei Kooperationen gibt es natürlich auch mitwirkende Kooperationspartner oder es kommen Anfragen aus der Einwohnerschaft. Dabei entsteht auch mal Einzigartiges wie das, dass Schwedisch an unserer Volkshochschule angeboten wird.

Wie entstehen solche Veranstaltungen?
Schäfer: Jemand hat eine Idee und fragt mich danach, wie ich sie finde. Ich organisiere das und setze es anschließend um. Auch hier arbeite ich ab und an mit Kooperationspartnern zusammen.

Wenn Sie auf die Geschichte der vhs zurückblicken: Was war da für Sie der schönste und bedeutendste Moment?
Schäfer: Es gibt viele nette Anekdoten aus Geschichten mit Menschen, wie bei der Nachtwächter-Führung. Es war alles schön seit 1990, seitdem ich hier in Weingarten wohne. Die Volkshochschule ist eine Schule im Wandel. Es gibt immer wieder neue Themen und es gibt Veränderungen wie die, dass ein Dozent in den Ruhestand geht. Es ist eine abwechslungs- reiche Aufgabe, die ich gerne für das Allgemeinwohl in Weingarten wahrnehme.

Welche Veranstaltungen meinen Sie da speziell?
Schäfer: Seit 2012 habe ich die Veranstaltungsreihe ‚Entdecke Dein Weingarten‘ initiiert, mit fünf bis zehn Veranstaltungen im Jahr, mit Rundgängen durch die historische Ortsmitte von Weingarten, wie Nachtwächter- oder auch mal Friedhofsführungen etc. Es müssten bisher so ca. 2.000 Teilnehmende dabei gewesen sein. In der Veranstaltungsreihe: „Entdecke Dein Weingarten“ gibt es die Führung durch den Gewölbekeller im historischen Ortskern von Weingarten jedes Jahr, den Hügelgräber-Rundweg gibt es alle zwei Jahre. Die Wanderung durchs Moor bieten wir immer im September an. Der Ortsrundgang zur Brunnen- und Wasserversorgung findet auch alle zwei Jahre statt. Wir erklären hier die historischen Brunnenstandorte. Den zweiten Teil übernimmt ein Wassermeister der Gemeinde Weingarten, wo wir auch Wasserhochbehälter und die Carix-Anlage besuchen.

Was ist das beliebteste Thema/sinddie beliebtesten Themen?
Schäfer: Das ist unterschiedlich, je nachdem, was gerade trendy ist. Aktuell finden zum Beispiel acht Yogakurse in der Woche statt. Oder eine Trendsportart wie Zumba. Als das aufgekommen ist, haben wir es ins Programm integriert. Die Mode kann sich aber jederzeit wieder ändern. Etwas Besonderes und für die berufliche Integration Wichtiges sind Angebote zum Bildungsurlaub, diese werden über die Zentrale Geschäftsstelle in Karlsruhe unserer „vhs Karlsruhe Land“ organisiert.

Wie viele Teilnehmer sind durchschnittlich in einem Kurs?
Schäfer: Fünf bis 20. Bei Vorträgen wie dem über Patientenverfügung, Erbrecht und Co. sind es schon mal 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Bei den meisten Kursen sind es so um die zehn.

An welchem Angebot haben Sie möglicherweise schon einmal selbst teilgenommen?
Schäfer: Ich gehe aktuell in Sportkurse wie Rückengymnastik und Zirkeltraining. Als Außenstellenleiter geht man auch gerne mal in die Kurse als Gast. Der Kurs ‚Deutsche Schrift lesen lernen‘ läuft seit Donnerstag, 5. März. Den werden ich oder meine Frau besuchen.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Schäfer: Dass wir weiterhin innovativ nach neuen Ideen und Kursangeboten suchen. Das Netzwerk der Vereine möchten wir durch Kooperationen mitfördern, offen für Neues sein, um das aufzugreifen und umzusetzen.
(Die Fragen stellte Jennifer Warzecha.)